Wäre ich Herr Google oder Frau Yahoo, dann hätte ich wahrscheinlich den grössten Spass – nein, nicht an der Unmenge Cash, die mir meine kleine Suchmaske ins Haus spült, sondern an den Fragen, die die Leute haben.
Das fängt damit an, dass der Unterscheid zwischen Browser und Suchmaske diffus wird. www. germany’s next topmodel.de wird als Frage eingegeben, da fällt eine Antwort natürlich leicht. Das ist das Substrat des Banalen.
Interessanter finde ich den Grad der erwartbaren Recherchefähigkeiten, wenn es um wirtschaftlich konkrete Gebilde geht. Aus Neugier wollte ich wissen, was die Leute suchen, die dann auf bestimmten Websites landen könnten. Als Stichprobe verwende ich die Einträge im ODP zu meinem Wohnort und die Suchbegriffe, die in der Keyword-Datenbank von rankingcheck zu dem Hauptthema der Sites ausgegeben werden.
Der erste Kandidat ist deswegen Erster, weil ihn das Google-Verzeichnis so reiht. Eine Werbeagentur. Mehr als 50.000 Mal fragen Leute Google nach einer Werbeagentur, die spezifischeren Sucher möchten eine in Berlin (fast 8.000) oder in andere deutschen Städten finden. Und was soll die Werbeagentur können? Nicht so wichtig, scheint es. Nur rund 1.000 Neugierige recherchieren nach den Fähigkeiten und fragen nach “werbung werbeagentur internet”. Irgendwas mit Internet – war ja zu erwarten…
Kandidat Nummer zwei stellt Prüfgeräte her. Ein Orchideenthema, nach dem weniger als tausend Mal pro Monat gesucht wird. Vermutlich kennt in der Branche sowieso jeder jeden, und der große Boom in Sachen Qualitätsmanagement war im letzen Jahrtausend. Aktuell interessiert nur rund 200 die Meinung einer Suchmaschine zu “Hersteller Prüfgeräte für das QM”.
Zum Dritten: Die Bevölkerungspyramide wird kopflastig, und die Generation 50+ fährt mit einem Treppenlift vom nächsten Eingetragenen von Stockwerk zu Stockwerk. 6.500 Senioren und ihre webaffinen Angehörigen wollen pro Monat wissen, wo das innerhäusliche Fahrzeug zu erwerben wäre. Gerne aber auch zu geringeren Kosten: “treppenlift gebraucht” ist für über 400 Interessenten einen Gedanken wert. Zwischen generellem Interesse und dem Sparwillen positionierten sich noch Suchterme, die auf eine solide Vermutung über die Funktion des Webs schließen lassen: “der-treppenlift.de” oder “treppenlift.de” sind auch über Google zu finden, dazu braucht man offensichtlich keine extra Eingabemöglichkeit im Browser.
Erinnerungen an den photogeshoppten Screenshot eines Browsers werden wach, in dem das Eingabefeld für den Suchbegriff mit jenem für die URL Platz und Ausdehnung getauscht hat.
Einen hab ich noch, dann soll’s aber genug sein: Nach dem hiesigen Kino wird 350.000 Mal pro Monat gesucht. Gefunden würde es öfter, wäre es unter “Kino München” (14.000) oder “Kino Berlin” (13.000) lokalisiert. Bavaria schlägt Babelsberg, zumindest im Web. Wer hätte das gedacht…
So ist das also. Repräsentativ ist das Sample eher nicht: Der meistgesuchte Begriff ist natürlich “Sex”, vermutlich liegt auch “Reichtum” irgendwo ganz vorne dabei. Davon ist hier vor Ort nichts in dmoz.org gelistet, tut leid.
Nicht gefunden, wonach Sie suchten?
Suchen Sie hier über Google weiter:
Abgelegt in Webdesign und Online-Marketing
