Textpattern ist 20

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Als das World Wide Web noch ein dichter Dschungel war, so um die Jahrtausendwende, gab es eigentlich nur einen Browser.

Auftritt Microsoft Internet Explorer, Zwischenspiel der browser wars, Abgang für den einstigen Platzhirsch Netscape Navigator.

Auf der Basis des Netscape Navigators wurde zur Reanimation unter der Haube der Mozilla Foundation ein neuer Browser entwickelt.

Dieser wiederauferstandene Browser hieß zunächst Phoenix – warum nur? Ich habe Phoenix sehr früh benutzt. Das neue Logo dieses Browsers wurde beim Erscheinen der ersten Version, die dann Firefox hieß, vom Grafiker Jon Hicks entworfen, weshalb mich seine Website besonders interessierte.

Die Basis dieser Website war ein CMS namens Textpattern. Macromedia Dreamweaver (noch nicht Adobe Dreamweaver!) war damals mein Werkzeug der Wahl, um Websites zu bauen – HTML und CSS waren neue, unbekannte Wissensgebiete, und die Textpattern Tags erschienen mir in dieser neuen Wissenszone logisch, passend und schön.

Ein anderes Blog-Tool mit Namen WordPress stand damals in Wettbewerb zu Textpattern. Basierend auf den Google Trends bezüglich Häufigkeit und Beliebtheit der beiden Suchbegriffe entschied ich, dass Textpattern wohl das populärere System sein würde und mein Engagement in diese Richtung sinnvoll war. Anfang April 2006 wurden die beiden Produkte sogar verschmolzen.

Dean Allen und Matt Mullenweg

Unter uns: Man sollte mich wirklich nicht nach dem Potenzial von Softwareprodukten befragen. Matt wird heutzutage auf rund 400 Millionen USD geschätzt und Dean war ein Winzer in Südfrankreich AFAIK.

And so it begins…

Die erste offizielle Version von Textpattern trug die Versionsnummer 4.0. Weil Dean Allen im folgenden Jahr 40 werden würde. Seitdem blieb die major version bei 4.x. Der damalige Server für die Update-Benachrichtigungen war ursprünglich nicht dafür programmiert, dass die major version auf höhere Zahlen springen würde, und das wollte später auch niemand mehr angreifen – never run a changing system.

Über die Einstiegsdroge Textpattern hat sich buchstäblich mein Leben umgeformt:

  • Ich lernte PHP, eine für mich damals als C-Entwickler obskure Sprache ohne Variablendefinition mit einem etwas kreativen OO-Ansatz, Subversion, Git und MariaDB.
  • Nach etlichen Patches und Plugins habe ich soviel Kompetenzvermutung bei Alex Shiels geweckt, dass er mich schließlich in das Kern-Entwicklerteam von Textpattern einlud.
  • Ein bisschen in der Apache-Konfiguration kann man mich jetzt auch herumtippen lassen, ohne dass das Ergebnis ziemlich desaströs wird.
  • Seither hab ich als EPU ungefähr drölfzig Websites mit Textpattern als CMS gebaut und meine Wahl nie bereut.

Textpattern ist jetzt zwanzig. Woot!


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